Beethoven und Schumann im Bartók-Saal

Beethoven und Schumann im Bartók-Saal

Im Rahmen des vierten Abends des Symphonie-Abos des Savaria Symphonieorchesters erklangen am 7. November im Bartók-Saal die Werke von Beethoven und Schumann. Das Konzert wurde von Kálmán Szennai geleitet, dem Dirigenten der Ungarischen Staatsoper. Als Solist wirkte Márton Kiss am Klavier mit.


Auf dem Programm standen Beethovens Coriolan-Ouvertüre op. 62, seine 4. (B-Dur op. 60) Symphonie sowie Schumanns a-Moll-Klavierkonzert op. 54. Nach dem Konzert sprachen wir mit den beiden Künstlern über den Abend, ihre Zusammenarbeit und ihre Gedanken zur Musik.

Gespräch mit dem Pianisten Márton Kiss

Du bist in Szombathely aufgewachsen. Wie war es für dich, in deine Heimatstadt zurückzukehren und im Bartók-Saal zu spielen?

Márton Kiss:
Im Bartók-Saal zu spielen, ist für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis. Ich bin hier aufgewachsen und habe unzählige Stunden in diesem Gebäude verbracht. Oft durfte ich sogar im Saal üben, was immer inspirierend war. Gleichzeitig spüre ich auch eine gewisse Verantwortung, denn vor heimischem Publikum zu spielen, ist immer schwieriger, da einen viele kennen, manchmal sogar persönlich. Deshalb ist die Aufregung vielleicht etwas größer, aber das Wiederkehren fühlt sich immer gut an. Ich freue mich sehr über die Einladung des Intendanten Gergely Popa. Diese Einladung hat mich wirklich berührt, und ich bin dankbar, dass ich wieder in Szombathely auftreten durfte.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Savaria Symphonieorchester und mit Kálmán Szennai?

Márton Kiss:
Ich kenne Kálmán schon seit Längerem, vor allem aus der Oper und von früheren Produktionen in Szombathely. Diesmal haben wir jedoch zum ersten Mal als Dirigent und Solist zusammengearbeitet. Bisher habe ich ihn eher als Korrepetitor bei der szenischen Einstudierung von Opern unterstützt. Diesmal war es also eine ganz andere Art der Zusammenarbeit. Ich habe mich sehr über diese Gelegenheit gefreut und möchte mich an dieser Stelle nochmals für seine enorme Unterstützung und Hilfe während der Proben und des Konzerts bedanken.

Schumann und Beethoven an einem Abend – das sind zwei völlig verschiedene Welten. Wie gelingt es dir, in dieser emotionalen Spannbreite auf der Bühne die Balance zu halten?

Ein Konzert ist im Grunde genommen ein Marathon. Oft stehen wir eine Stunde oder länger unter voller Konzentration auf der Bühne und gehen auf jedes inhaltliche und formbezogene Detail ein. Das erfordert enorme Selbstdisziplin und mentale Stärke. Wenn etwas Unerwartetes passiert, muss man trotzdem weitermachen und zur Musik und zur Botschaft zurückfinden, die man vermitteln möchte. Gerade bei Schumann ist dieses emotionale Gleichgewicht entscheidend, denn hinter seinen zarten, innigen Melodien verbirgt sich stets eine gewisse Dunkelheit, eine innere Spannung. Diese Gegensätze zu zeigen ist eine große Herausforderung – aber genau darin liegt auch die Schönheit. Am wichtigsten ist es, seine Emotionen und sein Spiel zu beherrschen. Selbst wenn etwas nicht perfekt gelingt, muss man weiterspielen und sich auf die Musik konzentrieren. Das ist das Wesen von Professionalität und künstlerischer Verantwortung.

Wenn du kein Pianist wärst – in welchem Beruf würdest du dieselbe Freude finden wie in der Musik?

Márton Kiss:
Der Sport hat mich schon immer fasziniert. Früher hätte ich mir sogar vorstellen können, Sportkommentator zu werden. Letztlich habe ich mich für die Musik entschieden, aber der Sport ist weiterhin Teil meines Lebens: Ich bin Basketballschiedsrichter und leite derzeit Spiele in der zweiten Liga. Mein Ziel ist es, eines Tages auch in der höchsten Spielklasse zu agieren. Ich liebe es, dass sich diese beiden Welten – Musik und Sport – so gut ergänzen. In beiden Bereichen sind mentale und körperliche Vorbereitung, Konzentration, schnelle Entscheidungen und die Fähigkeit, Fehler sofort loszulassen, entscheidend. Im Sport nennt man das active mindset – und genau das braucht man auch auf der Bühne. Oft spüre ich, dass mir die Erfahrungen aus dem einen Bereich im anderen helfen. Dank der Unterstützung meiner Familie kann ich beides parallel ausüben – das gibt meinem Leben echte Balance.


Interview mit Dirigent Kálmán Szennai

Das Savaria Symphonieorchester ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens von Szombathely. Wie war es diesmal, wieder mit dem Ensemble zu arbeiten, und welchen Eindruck hast du bei den Proben gewonnen?

Kálmán Szennai:
Ich arbeite unglaublich gerne mit diesem Orchester zusammen. Unsere erste gemeinsame Produktion liegt mehr als zwanzig Jahre zurück: Damals habe ich Die Fledermaus dirigiert. Auch dieses Mal fühlte es sich an, als käme ich nach Hause. Die Atmosphäre im Orchester ist familiär, die Musiker sind offen und flexibel. Es ist einfach schön, mit ihnen zu sein und mit ihnen zu arbeiten.

Beethoven und Schumann sind voller Emotionen in sich. Welcher Moment des Abends war für dich der Höhepunkt, jener Augenblick, in dem alles stimmte: Orchester, Musik und Publikum?

Kálmán Szennai:
Es gab viele wunderbare Momente. Márton Kiss hat großartig gespielt, besonders der zweite Satz von Schumanns Klavierkonzert war zutiefst berührend. Einen einzelnen Höhepunkt kann ich gar nicht nennen, denn für mich zählt immer die Einheit des gesamten Abends, wenn Orchester, Solist und Publikum gemeinsam atmen.

In der Oper arbeitest du oft mit Sängerinnen und Sängern. Wie unterscheidet sich die Arbeit, wenn du nur über den Taktstock mit dem Orchester „sprichst“?

Kálmán Szennai:
Eigentlich ist der Unterschied gar nicht so groß. Auch in der Oper arbeiten wir über das Orchester. Man muss auf jede Regung der Sängerinnen und Sänger reagieren, so wie man auf der Konzertbühne auf die Solisten reagiert. Ein Dirigent muss mal führen, mal folgen – es ist ein ständiges Hin und Her, fast wie beim Tischtennis.
Wie der Dirigent Tamás Pál einmal sagte: „Einen Sänger darf man nicht begleiten, man muss ihn führen und mit ihm gemeinsam gehen.“ Das gilt genauso für die Orchesterarbeit: Es ist ein fortlaufender Dialog zwischen Dirigent und Musikern.

Stell dir vor, du könntest einen Abend lang am Tisch eines beliebigen Komponisten sitzen. Wessen Gesellschaft würdest du wählen und was würdest du ihn oder sie zuerst fragen?

Kálmán Szennai:
Statt eines Abendessens würde ich lieber eine Probe von Gustav Mahler miterleben. Er starb 1911, und leider gibt es keine Filmaufnahmen von ihm – dabei war er ein außergewöhnlicher Dirigent. Von Richard Strauss existieren hingegen Aufnahmen: Er bewegt sich kaum, dirigiert mit unbewegter Miene, selbst in den größten Fortissimi. Mahler hingegen stelle ich mir als leidenschaftlichen und impulsiven Dirigenten vor. Eine Probe unter seiner Leitung würde ich nur zu gern beobachten.


Dieser Abend hat einmal mehr gezeigt, welche Kraft in den lebendigen Momenten der Musik liegt, wenn Dirigent, Solist, Orchester und Publikum im gleichen Atemzug eins werden. Dann entsteht – in Anlehnung an Schumann ausgedrückt – durch die Musik eine höhere Realität.

Foto von Zsolt Mészáros

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