Begegnung von Tschaikowsky und Jazz im Bartók-Saal

Begegnung von Tschaikowsky und Jazz im Bartók-Saal

Am 12. Dezember erlebte das Publikum im Bartók-Saal ein außergewöhnliches Musikerlebnis: Beim sechsten Abend des Symphonie-Abos des Savaria-Symphonieorchesters trafen Tschaikowskys romantische Klänge auf die jazzinspirierten Kompositionen von Kornél Fekete-Kovács – in einem spannenden, genreübergreifenden Konzert. Das Orchester stand unter der Leitung von Gergely Vajda, besonderer Gast des Abends war das Fekete–Kovács Quintett.


Im ersten Teil des Konzerts erklang Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Erste Symphonie in g-Moll, die den Beinamen „Winterträume“ trägt. Mit ihrem selten zu hörenden, lyrischen und überraschend optimistischen Tonfall nimmt sie eine besondere Stellung im Œuvre des Komponisten ein. Unter der Leitung von Gergely Vajda erschien das Werk nicht nur als frühe Symphonie, sondern als eine Komposition, die bereits Tschaikowskys spätere, prägende Rolle in der universellen Musikgeschichte vorwegnimmt.

Der Dirigent betonte in seinem Ansatz, dass die endgültige Gestalt eines Musikwerks nicht zwangsläufig den seelischen Zustand oder die Schwierigkeiten während seiner Entstehung widerspiegelt. Vielmehr entstehe eine symphonische Interpretation aus dem gegenwärtigen inneren Zustand und der Verantwortung der Ausführenden, also daraus, wie Dirigent und Orchester in jene Welt einträten, die das Werk verlange.Gerade bei Tschaikowskys früher Symphonie ist dies eine besonders sensible Aufgabe, da in der Epoche der Romantik viele aufführungspraktische Gesten nicht in der Partitur festgehalten wurden.

Gregory Vajda

Entscheidungen zu Tempi, dynamischen Spannungsbögen und Charakteren waren daher während der Probenarbeit und der Aufführung ebenso zentral wie die ausgewogene Gestaltung der großen Form. In Vajdas Deutung entfaltete das Werk die vielfältigen Nuancen einer „winterlichen” Welt: nicht als einheitliche Stimmung, sondern als feines Geflecht aus Übergängen, Schichten und Farben. Die Symphonie erklang als lebendiges, atmendes orchestrales Gewebe, in dem die innere Vision des Dirigenten auf der Bühne ihre konkrete Gestalt fand.


Der zweite Teil des Abends rückte zwei Werke von Kornél Fekete-Kovács in den Mittelpunkt. Senza nome – Music for Jazz Quintet and Orchestra, das preisgekrönte Werk des Müpa-Kompositionswettbewerbs 2020, basiert auf dem gleichberechtigten Dialog zwischen Jazzquintett und Symphonieorchester. Die Mitglieder des Quintetts – Kornél Fekete-Kovács (Trompete und Flügelhorn), János Ávéd (Sopran- und Tenorsaxophon), Dániel Szabó (Klavier), József Barcza Horváth (Kontrabass) und László Csízi (Schlagzeug) – fügten sich sensibel und zugleich markant in den orchestralen Klang ein. Dabei bildeten Improvisation und komplexes kompositorisches Denken eine organische Einheit.

Kornél Fekete-Kovács, János Ávéd, László Csízi

Den Abschluss des Konzerts bildete das Werk Handel with Care, eine zeitgenössische Neubearbeitung einer der bekanntesten Arien aus Georg Friedrich Händels Oratorium Messias. Die Komposition bewahrte die lyrische Schönheit des Originals und eröffnete zugleich durch ihre moderne Instrumentation neue, fein nuancierte Interpretationsräume.

Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie klassische Tradition und jazzhafte Freiheit, Vergangenheit und Gegenwart zueinanderfinden können. Das Publikum war Teil eines Konzerts, in dem Genregrenzen nicht trennend, sondern neue musikalische Perspektiven eröffnend wirkten.

Interview geführt von Gregory Vajda: Mohl-Benesóczky Anna

Foto: Jácint Nagy

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