
Dirigent des Abends war Gregory Vajda, Chefdirigent des Savaria Symphonieorchesters; als Solist stand der Klarinettist Gábor Varga auf der Bühne. Das Programm begann mit Adrian Pops Triptichon, das in Szombathely als ungarische Erstaufführung erklang. Darauf folgte František Kramářs Klarinettenkonzert und nach der Pause schlossen Antonín Dvořáks Symphonische Variationen und George Enescus schwungvolle Rumänische Rhapsodie Nr. 1 die Saison ab.

Das Saisonabschlusskonzert des Savaria Symphonieorchesters im Bartók-Saal.
Für Gregory Vajda war die Aufführung von Dvořáks selten gespielten Symphonischen Variationen einer der spannendsten Programmpunkte. Wie er sagte, habe er dieses Werk schon seit Langem dirigieren wollen und es sei ihm eine besondere Freude gewesen, es schließlich erstmals mit dem Savaria Symphonieorchester zu realisieren. Er beschrieb das Stück als einen wahren „verborgenen Schatz” – eine Komposition, die seiner Ansicht nach viel häufiger in den Konzertsälen zu hören sein sollte.
Eine der Besonderheiten des ersten Konzertteils war der Auftritt von Gábor Varga. Er spielte Kramářs Klarinettenkonzert auf einer seltenen Klarinette aus Buchsbaum. Die Wahl dieses Instruments war nicht nur optisch bemerkenswert, sondern stand auch in engem Zusammenhang mit der Entstehungszeit und Klangwelt des Werkes. Wie Gábor Varga erklärte, war Buchsbaum um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, also zur Zeit Kramářs, ein prägendes Material im Klarinettenbau. Das Zusammentreffen moderner Instrumententechnik mit historischem Material führte zu einem besonderen Klang, der sich durch wärmere, weichere und intimere Farben auszeichnete.
Der Solist wies auch darauf hin, dass Buchsbaum ein sehr empfindliches Material ist, das stärker auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur reagiert als das bei modernen Klarinetten übliche Grenadillholz. Daher ist beim Halten der Intonation besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Das Publikum nahm vor allem das Ergebnis wahr: den natürlichen, singenden und zugleich virtuosen Klarinettenton, der in Kramářs Werk die Eleganz der Klassik und den Glanz der frühen Romantik heraufbeschwor.

Der renommierte Klarinettist Gábor Varga bei der Aufführung von Kramářs Klarinettenkonzert.
Nach Kramářs Klarinettenkonzert bedankte sich Gábor Varga mit einer Zugabe für die Aufmerksamkeit des Publikums: Er spielte die Allemande aus Johann Sebastian Bachs VI. Cellosuite in D-Dur auf der Klarinette. Diese innige, klare Zugabe bildete einen besonderen Gegenpol zum ersten Teil des Konzerts: Nach der Virtuosität des Solokonzerts erklang vor der Pause ein stilleres, persönlicheres Schlusswort – getragen von der Stimme eines einzigen Instruments.
Gábor Varga kehrte mit großer Freude zum Savaria Symphonieorchester zurück. Wie er erzählte, hatte er bereits früher mehrfach mit dem Ensemble zusammengearbeitet und kennt viele der Musikerinnen und Musiker seit Langem; deshalb war der Probenprozess durchweg von einer familiären Atmosphäre geprägt. Über Gregory Vajda sagte er, dieser sei ein außerordentlich professioneller Dirigent, der genau spüre, wann wie viel Arbeit notwendig sei – und der, wenn er merke, dass aus dem Orchester noch mehr herauszuholen ist, sofort wisse, wie er noch mehr einfordern könne. Nach Ansicht des Solisten tat das Orchester alles, um ihn bestmöglich zu tragen und zu umgeben – und dies sei auch im Konzerterlebnis spürbar gewesen.
Nach der Pause zeigten Dvořáks Symphonische Variationen eine weitere Seite des Orchesters. Das selten zu hörende Werk entfaltet aus einem einzigen Thema eine reiche, vielgestaltige symphonische Welt: Lyrische, spielerische, dramatische und festliche Charaktere wechseln einander ab. In Gregory Vajdas Interpretation wirkte das Stück nicht bloß als technischer oder formaler Kunstgriff, sondern als ein sich ständig wandelnder, lebendiger musikalischer Prozess.

Gregory Vajda, Chefdirigent des Savaria Symphonieorchesters, beim Saisonabschlusskonzert.
Seinen Höhepunkt fand das Saisonabschlusskonzert schließlich in George Enescus Rumänischer Rhapsodie Nr. 1. Nach Gregory Vajda ist bei der Zusammenstellung eines Saisonabschlussprogramms die Dramaturgie besonders wichtig: Der Teil vor der Pause muss so wirken, dass das Publikum nach der Pause zurückkehren möchte. Am Ende des Konzerts braucht es einen Abschluss, nach dem kein Gefühl des Fehlens zurückbleibt. Enescus Werk erwies sich dafür als perfekte Wahl: Die sich allmählich entfaltende, immer feuriger werdende Klangwelt des Werkes füllte den Bartók-Saal mit festlicher Energie.

Das Publikum dankte dem Savaria Symphonieorchester für das letzte Konzert der Saison mit lang anhaltenden Standing Ovations.
Am Ende des Konzerts bedankte sich das Publikum mit Standing Ovations für den Abend. Der befreite Schwung der Rumänischen Rhapsodie war ein würdiger Abschluss – nicht nur für das Konzert, sondern für die gesamte Saison.
Das Konzert Osteuropäische Rhapsodie war zugleich Saisonabschluss und Zusammenfassung: Sie zeigte die Vielseitigkeit des Savaria Symphonieorchesters, seine Offenheit für selten zu hörende Werke und die interpretatorische Energie, die erst in der lebendigen Begegnung mit dem Publikum ihre volle Wirkung entfaltet. An diesem Abend ging die Saison im Bartók-Saal nicht einfach zu Ende – man verabschiedete sich mit festlichem Elan vom Publikum.
Foto von Zsolt Mészáros