Englische musikalische Geheimnisse und zeitgenössische Entdeckungen im Bartók-Saal

Englische musikalische Geheimnisse und zeitgenössische Entdeckungen im Bartók-Saal

Am 16. Januar stand die facettenreiche und spannende Welt der englischen Komponisten im Mittelpunkt des Konzerts Englische Geheimnisse, das vom Savaria Symphonieorchester im Bartók-Saal aufgeführt wurde. Der siebte Abend der Abo-Serie Symphonie zeigte die natürliche Einheit des klassischen Repertoires und der zeitgenössischen Musik und bot dem Publikum unvergessliche musikalische und gemeinschaftliche Momente. Das Konzert wurde von Gabriel Hollander dirigiert, als Solistin trat die in London lebende Sopranistin Hannah Dienes-Williams auf. Ein Höhepunkt des Abends war die Uraufführung eines neuen Werkes von Sebastian Black.


Klassische Tradition und neue Klangwelten

Der Abend begann mit Gustav Holsts selten gespielter, jugendlich schwungvoller Ballettsuite, die bereits im Auftakt die Vielseitigkeit der englischen Kompositionskunst spürbar machte. Im zweiten Teil des Konzerts erklangen Edward Elgars Enigma-Variationen, die durch das konzentrierte Spiel des Orchesters und das klare künstlerische Konzept des Dirigenten einen würdigen Abschluss des Abends bildeten.

Gabriel Hollander – Dirigent


Die Uraufführung im Zentrum des Konzerts

Den inhaltlichen Schwerpunkt des Konzerts bildete die Uraufführung von Sebastian Blacks Werk Unmentionable Scenes. Die Komposition schöpft aus historischen Gerichtsprotokollen des Londoner Strafgerichts Old Bailey und ruft in kurzen, verdichteten Szenen drei Fälle aus unterschiedlichen Epochen auf. Das Werk erzählt keine lineare Geschichte, sondern skizziert Situationen: Durch den sachlichen Ton der Gerichtssprache treten menschliche Schicksale und moralische Fragen hervor – ohne Erklärung und ohne kommentierende Einordnung.

Hannah Dienes-Williams – Sopran, Sebastian Black – Komponist, Gabriel Hollander – Dirigent

Die Komposition entstand im Rahmen des Mentoring Programms der Péter-Eötvös-Stiftung für zeitgenössische Musik für das Savaria Symphonieorchester und wurde eigens für Hannah Dienes-Williams geschrieben. Die Besonderheit des Werkes liegt darin, dass die Sopranistin sämtliche Rollen selbst übernimmt: Mit schnellen und präzisen Wechseln „springt“ sie zwischen Erzähler, Gericht und Angeklagten, während die Aufführung durchgehend ihre innere Geschlossenheit und ihren dramatischen Spannungsbogen bewahrt.


Zu Hannah Dienes-Williams’ Interpretation

Hannah Dienes-Williams gestaltete das komplexe Rollengefüge des Werkes mit einer klaren, disziplinierten Bühnenpräsenz. Die raschen Wechsel zwischen den stark kontrastierenden Figuren blieben stets gut nachvollziehbar, und ihre Interpretationsweise unterstützte präzise den dokumentarischen Charakter sowie die musikalische Spannung der Komposition.


Festliche Würdigungen

Vor dem Konzert begrüßte Intendant Popa seine Stellvertreterin, Nóra Lakner-Bognár, die mit dem Publikumspreis „Persönlichkeit des Jahres 2025 im Komitat Vas“ ausgezeichnet wurde.

Sie ist Gründerin und Leiterin des ökumenischen gemischten Chores VOX Savariae. Mit ihrem hohen fachlichen Niveau, ihrer konsequenten Arbeitsweise und ihrer inspirierenden Persönlichkeit prägt sie seit Jahren das musikalische Leben der Region. Ihr Wirken ist gleichermaßen von Gemeinschaftsbildung, musikalischer Bildung und karitativem Engagement geprägt. Neben ihrer Tätigkeit als Chorleiterin und Kirchenmusikerin ist sie seit langem eng mit dem Savaria Symphonieorchester verbunden. Seit August 2025 bekleidet sie das Amt der stellvertretenden Intendantin des Orchesters.

Lakner-Bognár Nóra – „Persönlichkeit des Jahres 2025 im Komitat Vas“ – Publikumspreisträgerin


Im Verlauf des Abends wurde auch der Chefdirigent des Orchesters, Gregory Vajda, besonders gewürdigt. Er wurde zum Chefdirigenten der Staatlichen Philharmonie Transsilvanien ernannt. Publikum und Ensemble nahmen die Nachricht dieser renommierten fachlichen Berufung mit großer Anerkennung auf.

Gregory Vajda – neuer Chefdirigent der Staatlichen Philharmonie Transilvania


Das Konzert Englische Geheimnisse veranschaulichte die künstlerische Offenheit des Savaria Symphonieorchesters eindrucksvoll: Klassisches englisches Repertoire und zeitgenössische Kompositionen erklangen dabei in natürlicher Einheit und verstärkten sich gegenseitig. Der Abend bot dem Publikum Entdeckung, Vertiefung und ein gemeinschaftliches musikalisches Fest zugleich.

Foto von Zsolt Mészáros

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