Im Dialog mit der Stille – das Konzert des Savaria Symphony Orchestra am 22. Oktober

Im Dialog mit der Stille – das Konzert des Savaria Symphony Orchestra am 22. Oktober

Am 22. Oktober, dem Vorabend des Nationalfeiertags, füllte das Savaria Symphony Orchestra den Bartók-Saal mit einem besonderen Konzert. Auf dem Programm des Abends standen herausragende Werke der ungarischen Musikgeschichte und der zeitgenössischen ungarischen Komposition: die Festliche Ouvertüre von Ferenc Erkel, die Premiere des Violinkonzerts von Dániel Dinyés, Leó Weiners III. Sein Divertimento und Zoltán Kodálys The Peacock Takes Flight.


Der Solist des Konzerts war der hervorragende Balázs Bujtor, und das Orchester wurde von Kornél Thomas, dem ehemaligen Chefdirigenten des Savaria Symphony Orchestra, geleitet.

Programm des Konzerts

Ferenc Erkel: Festliche Ouvertüre

Dániel Dinyés: Violinkonzert – Premiere
Solist: Balázs Bujtor – Violine

Leó Weiner: III. Divertimento für Orchester – Impressioni ungheresi, op. 25

Zoltán Kodály: Der Pfau hat die Flucht ergriffen – Variationen über ein ungarisches Volkslied

Mit dem Savaria Symphony Orchestra
Unter der Leitung von Kornél Thomas


Violinkonzert von Dániel Dinyés – ein Dialog zwischen Stille und Erinnerung

Der bewegendste Moment des Abends war zweifellos die Premiere von Dániel Dinyés‘ neuem Violinkonzert. Das dreisätzige Werk verdichtet die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, den Prozess des Abschieds und der Versöhnung in Musik.

Der erste Satz wurde mit einem besonderen Konzept geboren: Er besteht aus so vielen Takten, wie István Bujtor, der Vater des Solisten, gelebt hat. Die Geste war eine Erinnerung an das Vergehen der Zeit und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens.
Der zweite Satz beschwor die Stille der Totenwache und die Fragen des Vergehens herauf, als ob die Musik selbst die tiefsten menschlichen Fragen gestellt hätte: wie lange dauert die Gegenwart und wo beginnt die Erinnerung?
Im letzten Satz löste sich die Trauer allmählich auf, der Klang wurde leiser, die Melodien dünner, bis die Stille zum endgültigen Abschluss des Werks wurde.

Balázs Bujtors Darbietung war intim und zutiefst persönlich – in jeder Note schwang der Schmerz des Verlustes und der Frieden der liebevollen Akzeptanz mit.
Das Savaria Symphony Orchestra begleitete mit feinem Feingefühl. Die für Dinyes typische durchscheinende Instrumentierung war wunderbar auf den kultivierten Klang und die kammermusikalische Disziplin des Orchesters abgestimmt.
Kornél Thomas‘ ruhiges, einfühlsames Dirigat sorgte dafür, dass sich das Werk in einem langen, natürlichen Bogen entfaltete – als ob es für einen einzigen, tiefen Atemzug geschrieben worden wäre. Das Publikum konnte nicht nur die Klänge, sondern auch die Stille erleben.


Weiner und Kodály – der Reichtum der ungarischen Musik

In der zweiten Hälfte des Konzerts wird Leó Weiner III. Sein Divertimento (Impressioni ungheresi) verzauberte das Publikum: seine verspielten Rhythmen, eleganten Harmonien und zarten Melodien riefen musikalische Bilder aus dem Ungarn der Jahrhundertwende hervor.

Es folgte Zoltán Kodálys monumentales Werk Der Pfau fliegt – Variationen über ein ungarisches Volkslied, das die Ideen von Freiheit, Identität und Nationalbewusstsein als musikalisches Epos neu definierte.
Die Darbietung des Orchesters in beiden Stücken fesselte die Aufmerksamkeit des Publikums mit technischer Präzision, emotionalem Reichtum und disziplinierter Energie – und machte den Abend zu einem würdigen Fest.


Die Mitwirkenden

Balázs Bujtor (Violine)
wurde 1974 in Budapest geboren. Er studierte an der Musikhochschule bei Eszter Perényi und setzte dann seine Studien in Berlin und Weimar fort. Seit 2007 ist er Konzertmeister von Concerto Budapest, außerdem ist er Lehrer an der Liszt-Akademie und tritt regelmäßig als Solist und Kammermusiker auf.

Thomas Kornél (Dirigent)
Preisgekrönter Dirigent und Komponist. Ab 2025 wird er künstlerischer Leiter des Mississippi Valley Orchestra und des St. Cloud Symphony Orchestra sein. Als Assistenzdirigent des Savaria Symphony Orchestra von 2017 bis 2020 war seine Rückkehr ein besonders intimer und feierlicher Moment.


Musik als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Am Ende des Abends füllte sich der Bartók-Saal mit einem Fest der ungarischen Musik, bei dem Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und zeitgenössisches Denken aufeinander trafen.
An diesem Abend ging es nicht nur um technische Meisterleistungen – es ging um die Kraft der Musik, Brücken zwischen Leben und Vergehen, Schmerz und Trost zu schlagen.

Foto von Zsolt Mészáros

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