Neo-romantische Klassiker – Uraufführung, außergewöhnlicher Solist und Prokofjews elementar kraftvolle Symphonie im Bartók-Saal

Neo-romantische Klassiker – Uraufführung, außergewöhnlicher Solist und Prokofjews elementar kraftvolle Symphonie im Bartók-Saal

Am 29. Mai konnte das Publikum im Bartók-Saal eine besondere musikalische Reise erleben: Das fünfzehnte Konzert der Symphonie-Abonnementreihe des Savaria Symphonieorchesters bot eine eindrucksvolle Begegnung zwischen zeitgenössischer ungarischer Musik und dem russischen symphonischen Repertoire des 20. Jahrhunderts.


Ein Abend, an dem das Fagott im Rampenlicht stand

Der Abend begann mit János Vajdas Philharmonischer Festouvertüre, die mit ihrer energiegeladenen Klangsprache und reichen Instrumentation bereits in den ersten Minuten eine festliche Konzertatmosphäre schuf.

Im Mittelpunkt des Konzerts stand das Fagott. Der mit dem Franz-Liszt-Preis sowie dem Bartók–Pásztory-Preis ausgezeichnete György Lakatos brachte nicht nur Frigyes Hidas’ erfolgreiches Fagottkonzert mit außergewöhnlicher technischer Sicherheit und musikalischer Sensibilität zum Erklingen, sondern trat auch bei der Uraufführung eines neuen ungarischen Werkes, Rezső Otts Fagottkonzert, als Solist vor das Publikum.

Gregory Vajda – Chefdirigent

Eine besondere Herausforderung des Abends bestand darin, dass György Lakatos an einem einzigen Konzertabend zwei groß angelegte Fagottkonzerte interpretierte. Dies ist bereits an sich ein außergewöhnliches künstlerisches Unterfangen, da die beiden Werke nahezu fünfzig Minuten ununterbrochene Konzentration, herausragende technische Vorbereitung und große Ausdauer vom Solisten verlangen.

Das Programm folgte einer bewusst gestalteten Konzeption: Neben dem bekannten Konzert von Frigyes Hidas fand auch Rezső Otts neue Komposition ihren Platz. So erhielt das Publikum die Möglichkeit, die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Fagotts aus der Perspektive zweier unterschiedlicher Komponisten kennenzulernen.

Uraufführung mit Humor und großer Sensibilität

György Lakatos, Fagottist

Einer der bedeutendsten Momente des Konzerts war die Uraufführung von Rezső Otts Fagottkonzert. Der Komponist, der seine Laufbahn selbst als Fagottist begann, stellte die Vielseitigkeit, den Charakterreichtum und die Ausdruckskraft dieses Instruments in den Mittelpunkt seines Werkes. Die Komposition mit dem Untertitel „l’adorabile sciocco“ – „der liebenswerte Narr“ – zeigte die reiche Klang- und Ausdruckswelt des Fagotts auf spielerische Weise und zugleich mit tiefer menschlicher Sensibilität. Das Werk schuf ein besonderes Gleichgewicht zwischen Humor, Virtuosität und Lyrik; in der Interpretation von György Lakatos wurde das Fagott dabei zu einem echten Hauptdarsteller.

Auch für den Komponisten selbst war die Uraufführung von besonderer Bedeutung. Rezső Ott berichtete, dass er das Werk während der Aufführung nicht in erster Linie als Komponist oder Fagottist hörte, sondern vor allem darauf achtete, ob die Komposition jene Wirkung erreiche, die er sich während des Schaffensprozesses vorgestellt hatte. Er beobachtete, wie das Werk im Orchester, in den Händen des Solisten und vor dem Publikum funktionierte – und ob tatsächlich all das zum Klingen kam, was er auf dem Notenpapier formuliert hatte. Am Ende des Konzerts hatte er das Gefühl, dass das Werk nicht nur zum Leben erwacht war, sondern durch die Persönlichkeit der Interpreten auch neue Nuancen erhalten hatte.

Rezső Ott, Komponist, und György Lakatos, Fagottist, nach der Uraufführung

Besonders hob Rezső Ott die Leistung von György Lakatos hervor, der an einem einzigen Abend zwei groß angelegte Fagottkonzerte spielte. Der Komponist würdigte die künstlerische Vorbereitung und das Engagement des Solisten in höchstem Maße und betonte zugleich die inspirierende Kraft seiner Interpretenpersönlichkeit. „Die Persönlichkeit von György Lakatos hat dem Werk ein sehr schönes Feuer verliehen“, sagte er und fügte hinzu, dass während der Aufführung mehrere musikalische Momente entstanden seien, die seine eigene Komposition in ein neues Licht rückten.

Auch über die Leistung des Savaria Symphonieorchesters äußerte sich Rezső Ott mit großer Anerkennung. Er hob die Energie der Streicher sowie das außerordentlich feine und sensible Spiel des tiefen Blechs hervor, die wesentlich zur Entfaltung des Charakters des Werkes beitrugen. Ebenso würdigte er die Arbeit des Dirigenten Gregory Vajda, der das Ensemble mit großer künstlerischer Sensibilität leitete und entscheidend dazu beitrug, dass die musikalische Welt des Werkes in ihrer ganzen Fülle erklingen konnte. Abschließend brachte der Komponist allen Mitwirkenden seinen Dank zum Ausdruck und gratulierte den Musikerinnen und Musikern einzeln zu dieser außergewöhnlichen Aufführung.

Zwei Konzerte, fünfzig Minuten Konzentration

Nach Aussage des Solisten lag die größte Herausforderung des Abends nicht in erster Linie im Physischen, sondern im Geistigen: Die beiden technisch und musikalisch höchst anspruchsvollen Konzerte verlangten über nahezu fünfzig Minuten hinweg ununterbrochene Konzentration. Während der Vorbereitung wurde das gesamte Solomaterial beider Werke in den Proben mehrfach hintereinander durchgespielt, um jene Konzentration und Ausdauer aufzubauen, die eine solch außergewöhnliche künstlerische Aufgabe erfordert.

György Lakatos betonte, dass die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Orchester und dem Dirigenten Gregory Vajda eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Konzerts spielte. Wie er sagte, betrachtet er das Orchester niemals als bloßes Begleitensemble: Für ihn sind die Musikerinnen und Musiker Kammermusikpartner, mit denen er gemeinsam die musikalischen Prozesse gestaltet. Die wahre Kraft einer Aufführung entstehe seiner Ansicht nach dann, wenn Solist und Orchester aufmerksam aufeinander reagieren und den musikalischen Verlauf gemeinsam formen.

Der Künstler sprach auch besonders über die schöpferische Zusammenarbeit mit dem Orchester und Gregory Vajda. Er hob hervor, dass der Dirigent mit außergewöhnlicher Sensibilität auf jene spontanen musikalischen Momente reagierte, die während der Aufführung entstanden. Der Zauber eines Live-Konzerts liege gerade darin, dass die Künstlerinnen und Künstler in Anwesenheit des Publikums neue Ideen, feine Schattierungen und augenblickliche Inspirationen in die Interpretation einbringen können.

Für György Lakatos war es eine besondere Freude, im Laufe des Konzerts die außergewöhnliche Vielseitigkeit des Fagotts zeigen zu können. Seiner Ansicht nach eignet sich das Instrument nicht nur für virtuose technische Bravourstücke, sondern auch in besonderem Maße für lyrische und empfindsame Ausdrucksweisen. Den Reaktionen des Publikums nach zu urteilen, hatte er das Gefühl, dass auch die Zuhörerinnen und Zuhörer diese reiche Charakterwelt miterlebten und würdigten.

Sinfonische Kraft und ein würdiger Abschluss

In der zweiten Hälfte des Abends erklang Sergej Prokofjews monumentale Fünfte Symphonie. Das 1944 komponierte Werk gehört zu den kraftvollsten symphonischen Schöpfungen der Musikgeschichte. Es spiegelt zugleich die Spannungen der Kriegszeit und den Glauben an die Kraft des menschlichen Geistes wider und trägt dramatische Spannung, menschliche Tiefe sowie lebensbejahende Energie in sich. Das Savaria Symphonieorchester brachte die Symphonie unter der Leitung von Gregory Vajda in einer groß angelegten, konzentrierten und dynamischen Interpretation zum Erklingen, die einen würdigen Abschluss des Abends bildete.

Live-Konzert: Herausforderung und Fest zugleich

György Lakatos, der auf mehr als dreitausend Auftritte zurückblicken kann, sagte, dass die Aufregung vor einem Konzert nie ganz vergehe – gerade dies mache Live-Aufführungen jedoch so besonders. Wie er formulierte: „Ein Live-Konzert ist immer Herausforderung und Fest zugleich.“

Die Besonderheit des Abends lag darin, dass das Publikum an einem einzigen Konzertabend die Spannung einer Uraufführung, die außergewöhnliche Vielseitigkeit des Fagotts und Prokofjews monumentale symphonische Welt erleben konnte. Der Dialog zwischen der Uraufführung und den klassisch gewordenen Werken bot dem Publikum des Bartók-Saals ein bleibendes musikalisches Erlebnis.

Foto von Zsolt Mészáros


Unsere nächste Veranstaltung

Nacht der Museen

mit dem Savaria Symphonieorchester 2026. schließt sich am 20. Juni zwischen 18:00 und 24:00 Uhr der Nacht der Museen an. und nimmt am Szombathelyer Veranstaltungsprogramm teil.

Ort: Savaria Symphonieorchester, Bartók-Saal
Szombathely, Rákóczi Ferenc u. 3. 3.

Im Laufe des Abends erwarten die Besucher Blasmusik, Führungen durch den Bartók-Saal, Instrumentenvorstellungen, Orchester-Minikonzerte, Publikumsgespräche, eine Orgelvorstellung, ein Filmmusikprogramm, musikalische Abenteuer für Kinder sowie das Szimfi-Quiz mit Gewinnverlosung.

Ein besonderer Abend, an dem das Publikum die Welt des Orchesters, die Geheimnisse des Bartók-Saals und das Erlebnis klassischer Musik aus nächster Nähe kennenlernen kann.

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